Prävention an weiterführenden Schulen im Kreis Stormarn

Wie schwierig das Thema Prävention von Essstörungen ist, zeigt folgendes Zitat:

„Schon 1984 stellte sich der belgische Psychiater Walter Vandereycken die Frage, ob Prävention von Anorexia möglich sei und kam zu der Einschätzung, dass eine primäre Prävention, die auf einen Wandel der soziokulturellen Bedingungen abzielt, wahrscheinlich nicht zu realisieren sei. Ihm erschien es dagegen sinnvoller, über Möglichkeiten und Ansätze der sekundären Prävention nachzudenken. Schulische Präventionsprogramme dürfen nicht als einmalige Aktion geplant sein, vielmehr sollten sie frühzeitig einsetzen und langfristig und kontinuierlich sein. Zudem sollten sie fächerübergreifend geplant sein.“

 

Das von uns entwickelte Konzept der frühen Intervention beruht auf den Paradigmen der Präsenz, des hohen Bekanntheitsgrades, des niederschwelligen Zugangs (unkomplizierte, beiläufige Kontaktaufnahme), der Wohnortnähe (ohne lange Wege) und der zeitnahen Antwort (geringe Wartezeiten, promptes Reagieren).

Die Präventionsarbeit an weiterführenden Schulen im Kreis Stormarn haben wir konzeptionell an unsere praktischen Erfahrungen angepasst und modifiziert. Unser Konzept entwickeln wir immer weiter. Es ist ein fortlaufender Lernprozess. Uns liegt daran, den Schulen ein Präventionskonzept anzubieten, bei dem die jeweiligen Erfordernisse und Wünsche der Schule berücksichtigt werden. So sind die Kooperationen mit verschiedenen Schulen im Kreis Stormarn jeweils individuell ausgearbeitet, verhandelt und durchgeführt worden. In den Schulen haben wir unterschiedliche Ansprechpartner*innen: Präventionsbeauftragte Lehrer*innen, Beratungslehrer*innen, Stufenleiter*innen und/oder Schulsozialpädagogen*innen.

In der Praxis haben sich drei Bausteine herausgebildet, die auch für weitere Schulen im Kreis Stormarn übernommen werden können:

  1. Essstörungsmodul als fester Bestandteil des Präventionskonzepts der Schule
  2. Prävention zum Thema Essstörungen im Rahmen einer Projektwoche
  3. Präventionseinheiten aufgrund einzelner Anfragen

 

1. Essstörungsmodul als fester Bestandteil des Präventionskonzepts der Schule

Eine Schule entschließt sich, ein Modul zu Essstörungen in ihr jeweiliges Präventionskonzept zu integrieren. In Gesprächen wird geklärt, in welchem Jahrgang, in welchem zeitlichen Umfang in welcher Gruppenkonstellation zu welchem Zeitpunkt und mit welchem inhaltlichen Schwerpunkt die Maßnahme durchgeführt werden soll. Die Inhalte von Mädchen- und Jun-gengruppen unterscheiden sich deutlich.

 

2. Prävention zum Thema Essstörungenim Rahmen einer Projektwoche

Hierbei wird ein Essstörungs-Präventionsmodul im Rahmen einer Projektwoche (z.B. zu Sucht) durchgeführt. Auch hier versuchen wir, unsere bewährten Kriterien zu berücksichtigen. Gruppenangebote getrennt nach Mädchen und Jungen. Die inhaltliche Arbeit in den einzelnen Gruppen unterscheidet sich auch hier sehr.

 

3. Präventionseinheiten aufgrund einzelner Anfragen

Folgende Einzelmaßnahmen wurden bisher angefragt und von uns durchgeführt:

  • Kurzvorträge zu Essstörungen und zum Angebot des Fachbereichs Essstörungen von Frauen helfen Frauen Stormarn e.V. vor Lehrerinnen und Lehrern an Schulentwicklungstagen und Lehrer*innenkonferenzen
  • Begleitung und Nachbereitung von Präventionstheaterstücken zu Essstörungen
  • Krisenintervention mit Schüler*innengruppen
  • Informationsgespräch zu Essstörungen z. B. im Rahmen des Biologieunterrichts oder auf Anfrage von Klassenlehrer*innen.
  • Elternabend zur Information über Essstörungen

 

Einbettung in das System Schule

Die Durchführung von Präventionsmaßnahmen zu Essstörungen ist eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite befindet sich die Einbettung in das System Schule.

Die Lehrerinnen und Lehrer haben eine Schlüsselfunktion. Für viele wirkt die Etablie-rung der Zusammenarbeit mit Frauen helfen Frauen Stormarn e.V. zunächst eher belastend (… noch ein Thema!). Es geht aber vor allem um Entlastung. Wichtig ist, dass die Lehrerinnen und Lehrer die Bereitschaft entwickeln hinzusehen, dranzubleiben, um dann loslassen zu können. Betroffene SchülerInnen sollen an professionelle Hilfestellen weitervermittelt werden.

Für Lehrerinnen und Lehrer bieten wir folgende Maßnahmen:

  • Durchführung von Workshops/Infoveranstaltungen
  • Kurzpräsentation bei Lehrer*innenkonferenzen
  • Die Möglichkeit, sich mit Einzelfragen direkt mit uns in Verbindung zu setzen


Ideal ist die Festlegung einer Ansprechpartner*in aus dem Lehrer*innenkollegium, die den Kontakt zu uns hält und im regen Austausch ist. Die Maßnahmen für die Lehrerinnen und Lehrer gelten gleichermaßen für die Schulsozialarbeiter*innen, die Sekretär*innen und Hausmeister*innen. 

 

Wir geben viele hilfreiche Tipps für den Umgang mit Betroffenen. Die Erarbeitung eines Handlungsmanuals in Kooperation mit der Koss (IQSH) ist in Planung. Zur Einbettung gehören ebenfalls Aushänge und die Präsenz des Themas und Informationen zu unserer Kooperation auf der Homepage der Schule. Darüber hinaus sind wir bereit, Elternabende mitzugestalten oder an SEB-Sitzungen mitzuwirken.